Bauherrschaft uptownBasel
Areal-Konzeption Fankhauser Arealentwicklungen
Architektur Fankhauser Architektur
Beratung Demontage Stahlbau SCE
Demontage Stahlbau Aregger
Stahlbau Montage Stamm Bau
Planungszeit 2022 - 2024
Realisierungszeit 2024 - 2027
Status Im Bau

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Das Schoren-Areal in Arlesheim steht exemplarisch für den Wandel von einem frühen industriellen Produktionsstandort über den strukturellen Wandel der klassischen Industrie bis zur heutigen Transformation zum Industrie-4.0-Standort uptownBasel. Die Ideen für den Campus gehen auf den Architekten Hans-Jörg Fankhauser zurück, der 2017 mit Investor Dr. Thomas Staehelin ein Nutzungskonzept entwickelte. Auf dem rund 70 000 m2 grossen Areal entstehen bis 2028 neun Gebäude mit insgesamt etwa 200 000 m2 Nutzfläche. Im Zentrum steht der konsequente Einsatz nachhaltiger Baumaterialien im Kreislauf – insbesondere der Re-Use von Stahl.

Eine Schlüsselrolle spielte die ehemalige Panzerhalle, die nicht als Abbruchprojekt, sondern als Materiallager verstanden wurde. Ihr Baumaterial befand sich in gutem Zustand. Die Tragkapazität von Gründung und Untergeschoss war so hoch, dass diesem mit lokalen Ertüchtigungsmassnahmen eine zeitgemässe Vollnutzung aufgesetzt werden konnte, ohne das Fundament zu verstärken. Visuellen Inspektionen zeigten nur geringe Korrosion, Festigkeitsprüfungen bestätigten die Materialqualität, und Schraub- und Schweissverbindungen waren überwiegend intakt. Das Dach aber erwies sich mit zulässigen Nutzlasten unter 100 kg/m als statisch unzureichend. Diese Diskrepanz zwischen konstruktiver Qualität und gegenwärtiger Nutzungsanforderung führte zur Projektidee: Anstelle eines Weiterbaus entstand ein neuer, viergeschossiger Stahlbetonbau auf dem bestehenden Untergeschoss, ergänzt durch zwei Technikpavillons.

Die Halle mit 70 m Spannweite wurde folglich nicht konventionell rückgebaut, sondern in einem ingenieurtechnisch gesteuerten Prozess etappenweise demontiert. Rund 1300 t Stahlträger wurden geprüft, digital erfasst, mit QR-Codes inventarisiert und für die Wiederverwendung vor Ort bereitgestellt.

Der Rückbau erfolgte mit der Präzision eines Neubaus: Gesamtstabilitäten mussten jederzeit gewährleistet, Zwängungen vermieden und Kräfte temporär umgeleitet werden. Ein Grossteil der Bauteile wurden direkt für eine zweite Nutzung qualifiziert, andere nach Korrosions- und Deformationszustand klassifiziert und eingelagert. Zentrales Element war die Dokumentation in einer Materialdatenbank mit Angaben z Querschnitt, Länge, Zustand, Prüfprotokollen, Lagerort und potenziellen Einsatzmöglichkeiten. Aktuell lagern rund 1200 t rückgebauter Stahl auf dem Areal – abrufbar wie aus einem Materialarchiv.

Für Gebäude 8 greift das Planungsteam gezielt auf geeignete Bestandsprofile zurück. Raster, Spannweiten und Tragachsen werden aus den verfügbaren Bauteilen entwickelt; die Wiederverwendung erfolgt somit systemisch, nicht bauteilidentisch. HEA-, HEB- und IPE-Profile werden nicht additiv, sondern integrativ in neue Tragwerkskonzepte eingebettet und können dabei teils höhere Lasten aufnehmen als zuvor. Da Abmessungen, Qualität und Menge des Stahls feststehen, passt sich das Projekt dem Material an – nicht umgekehrt.

Die hohe Wiederholungsrate bestimmter Profile, insbesondere des gängigen IPE 300 mit rund 60 %, bildete die Grundlage für ein modulares Konstruktionssystem. Dadurch lassen sich Raster und Aufbauhöhen so gestalten, dass auch heutige Anforderungen an Büro-, Gewerbe- oder Wohnnutzungen erfüllt werden können. Diese daraus resultierende Standardisierung vereinfacht Planung und Ausführung, erfordert jedoch eine bewusste ingenieurtechnische Abwägung: Geschweisste Verbindungen sind trotz eingeschränkter Wiederverwendbarkeit statisch effizienter als verschraubte Knoten und bleiben deshalb ein zentrales Element leistungsfähiger Tragwerke. So entsteht aus dem Bestand keine Einschränkung, sondern eine neue Form konstruktiver Flexibilität.

 

PUBLIKATIONEN

“Zweiter Einsatz für Stahl” aus TEC21 11-07-2025
© espazium.ch

Die ehemalige Panzerhalle mit ihrem Stahlbau auf dem betonierten Untergeschoss. Schnetzer Puskas Ingenieure

Der Bestandsbau (links) und die Wiederverwendung von Stahl im Neubau Gebäude 8, oberstes Geschoss (rechts) Schnetzer Puskas Ingenieure

Ablauf bei der Demontage: Fassadenansicht Schnetzer Puskas Ingenieure

Das neue Gebäude 8 mit den Dachaufbauten. Schnetzer Puskas Ingenieure

Bei den Geschossdecken des Gebäudes 2 werden die gebrauchten Stahlträger als Verbundträger eingesetzt. Schnetzer Puskas Ingenieure

Gebäude 2, 3D-Ansicht mittlere Stahlbaukonstruktion im OG3 Schnetzer Puskas Ingenieure

Schnetzer Puskas Ingenieure

Schnetzer Puskas Ingenieure

Schnetzer Puskas Ingenieure

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Fankhauser Architektur

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