• Projektdaten
  • Sanierung und Modernisierung St. Jakobshalle, Basel, 2018
  • Bauherrschaft
    Baudepartement Basel-Stadt, Hochbauamt
  • Tragwerksplanung
    Schnetzer Puskas Ingenieure
  • Architektur
    ARGE Degelo Architekten / Berrel Berrel Kräutler Architekten
  • Planungszeit
    2013-2015
  • Realisierungszeit
    2015-2018
  • Status
    Gebaut

Die 1970 bis 1976 durch den Architekten Giovanni Panozzo und den Ingenieur Albert Schmidt erbaute St. Jakobshalle ist Teil eines grossen Sportzentrums im Südosten der Stadt Basel. Unmittelbar neben der Halle befinden sich das Fussballstadion St. Jakob-Park, die Eishockeyhalle St. Jakob-Arena und die Sportanlage St. Jakob. Seit der Erstellung der Halle haben sich die Veranstaltungen und die Anforderungen zum Teil stark verändert. Es standen an vielen Stellen kleinere und grössere Veränderungen an. Mit dem Sanierungs- und Modernisierungsprojekt bat sich die Chance, die heutigen Bedürfnisse, den Bestand und die notwendigen Anpassungen gesamthaft zu betrachten. Die St. Jakobshalle zeigt sich neu als öffentliche Anlage mit dem Foyer Nord als einladender Zugang. Sie wird damit zu einer Adresse und den vielfältigen zukünftigen betrieblichen und nutzungsspezifischen Anforderungen gerecht. Das Sanierungs- und Modernisierungsprojekt umfasste ausserdem eine Einfassung der Hauptarena mit einer Vorsatzschale aus Stahlbeton sowie Anbauten an die beiden kleineren Hallen Nord und Süd.

Die Erweiterung des umlaufenden Foyers mit dem stützenfreien Eingangsbereich im Norden und im Westen bildet bezüglich des Tragwerks den anspruchsvollsten Kernpunkt des Projektes. Über Foyer und Platz wurde das bestehende Dach der Eingangshalle weitergeführt und mit einer markanten, 130 Meter langen Stirn aus Sichtbeton gefasst. Das geschosshohe, auskragende Dach wurde als zusätzliches Geschoss mit einer Höhe von 3.65 m bis 4.65 m ausgebildet. Es beherbergt die umfangreichen Installationen der Haustechnik und bietet Raum für das Materiallager. Das Dachtragwerk besteht aus lamellenartig alle 5 m angeordneten, bis 28 m weit gespannten Wandscheiben. Sie funktionieren als geschosshohe Rippen. Gemeinsam mit den Längsträgern werden sie an der Unterseite mit einer Sichtbetondecke und an der Oberseite mit einer Eindeckung aus isolierenden Holz-Sandwich-Elementen eingefasst. Beide Decken wirken statisch als horizontale Scheiben. Die Rippen und die zwei quer dazu verlaufenden Längsträger sind stark vorgespannt. Ein wesentlicher Punkt war die Kabelführung, die in ihrer Logik dem Momentenverlauf folgen sollte. In den Kreuzungspunkten musste auf die genaue Lage der Spannkabel besonders geachtet werden.

Das Dach wird auf dem Kassenhaus, den Wandscheiben des neuen Warenlifts, den Wänden des neu erstellten Flucht- und Verkehrsweges aus der Arena (LKW-Ausfahrt) sowie einer Pendelstütze gelagert. Die Verschiebungen infolge Schwinden und Temperatur werden mit der Pendelstütze, welche maximal 2‘000 Tonnen trägt, aufgenommen. Sie besteht aus einem 420 mm Vollstahlrohr und ist mit einer Betonhaut ummantelt. Diese statisch entscheidende Stütze wurde vom “Findling” des Künstlers Eric Hattan in Form eines 25 Tonnen schweren Granitblocks ausgezeichnet. Fundiert ist die skulptural geformte Stütze auf einem kreuzförmigen Trägerrost aus geschweissten Blechträgern. Das Kreuz leitet die Stützenlast um den bestehenden Sammelkanal auf vier Grossbohrpfähle. Diese haben einen beachtlichen Durchmesser von 1.3 m und ragen 15 m tief in den Baugrund um die Kräfte einzuleiten.

Durch die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Ingenieuren entstand eine funktionale, städtebauliche, wirtschaftliche und nachhaltige Lösung, die der Baukomplex neu als harmonisches Ganzes erscheinen lässt. Die Instandsetzung und Modernisierung musste in drei Bauetappen ausgeführt werden, um einen unterbruchsfreien Betrieb sicherzustellen.

Die St. Jakobshalle wurde 2018 mit dem ATP Award for Excellence für “die am meisten verbesserte Infrastruktur” ausgezeichnet.

 

Publikationen


“Neu eingebettet” aus Tec21 - 04-10-2018
© espazium.ch

St. Jakobshalle, Basel, Sanierung und Modernisierung – Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekt und Ingenieur

Regie: Severin Kuhn

Dauer: 07:57 Min

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Haupttragelemente des Foyer Nord: Randträger (rot), Auflagerträger (grün) und Innenträger (blau)
Haupttragelemente des Foyer Nord: Randträger (rot), Auflagerträger (grün) und Innenträger (blau)
Schnitt eines Auflagerträgers
Schnitt eines Auflagerträgers
Vorspannungsplan eines Auflagerträgers
Vorspannungsplan eines Auflagerträgers
Schnitt der Pendelstütze
Schnitt der Pendelstütze
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