• Projektdaten
  • Actelion Business Center, Allschwil, 2010
  • Bauherrschaft
    Actelion Pharmaceuticals Ltd, Allschwil
  • Generalplanung
    ARGE GP Herzog & de Meuron, Proplaning
  • Architektur
    Herzog & de Meuron
  • Tragwerksplanung
    Schnetzer Puskas Ingenieure
  • Planungszeit
    2006-2007
  • Realisierungszeit
    2007-2010
  • Status
    Gebaut

Die Entwicklung der Tragkonstruktion für den Büroneubau der Firma Actelion in Allschwil erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Architekten Herzog & de Meuron. Die Gebäudestruktur besteht aus 34 übereinander gelegten und ineinander verzahnten, balkenähnlichen Baukörpern, die 30 bis 100 Meter lang und, abhängig von der Büronutzung, 5 beziehungsweise 7 Meter breit sind. Auf einer Grundrissabmessung von etwa 80 mal 80 Meter stapeln sie sich 22 Meter hoch. Sie bestehen im Wesentlichen aus den Boden- und Deckenplatten sowie zwei raumhohen Trägern, die verglast sind und die Fassade bilden. Jeweils fünf bis sieben prismatische Körper bilden im Grundriss ein Bürogeschoss. Jede Geschossebene hat ihr eigenes Trägerlayout und liegt nicht deckungsgleich über dem unteren Geschoss, sondern trägt ihre Lasten über wenige einzelne Punkte in die untere Ebene ab.

Um für die Büroräumlichkeiten grosse Fensteröffnungen ohne störende Diagonalen zu ermöglichen wurde ein Trägersystem entwickelt, das die Eigenschaften des Fachwerkträgers mit denjenigen des Vierendeelträgers kombiniert. Dies ermöglichte die Kombination der Vorteile beider Tragsysteme: Fachwerkstäbe sind lediglich auf Zug und Druck beansprucht; die Profile können darum materialsparend ausgebildet werden. Weil die Knoten ausserdem als gelenkig wirkend, das heisst ohne Biegebeanspruchungen zu erfahren, betrachtet werden, können sie einfach konstruiert werden. Allerdings sind raumhohe Fachwerkträger im Bürobau meist nicht erwünscht, da die Diagonalen die Sicht durch die Fenster beeinträchtigen. Vierendeelträger hingegen, die nur aus Gurten und Pfosten bestehen, lassen rechteckige Fensteröffnungen zu, sind jedoch nicht sehr wirtschaftlich: Die Schnittkräfte der Pfosten und Gurte bestehen nicht nur aus Normalkräften, sondern auch aus Querkraft und Biegung. Ausserdem wirkt nur der statische Hebelarm der Profilhöhe – die statische Höhe der Träger kann nicht effizient ausgenutzt werden. Dies führt zu einem weichen Tragsystem, mit einem relativ hohen konstruktiven und materialspezifischen Herstellungsaufwand.

Um tiefe Herstellungskosten zu erreichen, wird eine möglichst einfache Konstruktion vorausgesetzt. Die Tragkonstruktion für Actelion sollte also trotz komplexem Bau eine gewisse Einfachheit und Systematik aufweisen. Wirtschaftliche Trägersysteme bedingen eine hohe und kontinuierliche Ausnutzung der eingesetzten Profilquerschnitte bei möglichst reduziertem Arbeitsaufwand in der Herstellung. Mit der optimierten Kombination von Vierendeel- und Fachwerkträgern konnten die Schnittkräfte in den Gurten nun dahingehend gesteuert werden, dass die Profilquerschnitte über ihre gesamte Länge voll ausgenutzt wurden.

Das Projekt erhielt 2011 Schweizer Stahlbaupreis «Prix Acier».

Actelion 11-02 HdM 1276
Links: Geometrie der Decke des 1. OG und des Bodens des 2. OG; Rechts: Trägerlayout der Decke des 1. OG und des Bodens des 2. OG.
Links: Geometrie der Decke des 1. OG und des Bodens des 2. OG; Rechts: Trägerlayout der Decke des 1. OG und des Bodens des 2. OG.
Grundriss 5. OG mit den Bodenträgern des 5. und den Deckenträgern des 4. OG.
Grundriss 5. OG mit den Bodenträgern des 5. und den Deckenträgern des 4. OG.
Darstellung der direkt am Lastabtrag beteiligten Stäbe
Darstellung der direkt am Lastabtrag beteiligten Stäbe
Actelion 11-02 HdM 1466

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